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Klinikum Bad Gleichenberg: Erfahrungsbericht vom HOPE-Austauschprogramm 2019


21. August 2019

Das HOPE-Austauschprogramm für Beschäftigte in Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen ist eine Aktivität der European Hospital and Healthcare Federation. Jährlich wird den Programm-TeilnehmerInnen in einer vierwöchigen Trainingsperiode in einem Gastkrankenhaus Einblick in ein anderes Gesundheitssystem in der EU oder in einem anderen europäischen Staat ermöglicht. Im Zeitraum vom 06. Mai bis 04. Juni 2019 nahm Gabriele Koch, Qualitätsmanagementbeauftragte am Klinikum Bad Gleichenberg, am Austauschprogramm teil.

Gabriele Koch reiste im Rahmen des HOPE-Austauschprogramms nach Dänemark und durfte einen Monat lang in verschiedenen  Gesundheitseinrichtungen in Mittel- und Nordjütland hospitieren bzw. in Seeland ein Projekt für die Planung eines neuen Krankenhauses kennenlernen.

Als Schwerpunktthema war für alle TeilnehmerInnen des Austauschprogramms 2019 „Evidence-informed decision making in healthcare management“ definiert. Zu diesem Thema fand abschließend vom 02. bis 04. Juni 2019 ein Evaluierungstreffen aller europäischen TeilnehmerInnen in Ljubljana statt.

In der Folge ein Auszug aus dem Resümee von Gabriele Koch:

„Wir haben uns in Dänemark intensiv mit dem Thema „Evidence-informed decision making in healthcare management“ beschäftigt. Wenn es um die Entscheidungsfindung auf Grund von vorhandenen Daten geht, so kann Dänemark auf eine sehr umfangreiche Sammlung von medizinischen Aufzeichnungen zurückgreifen. In jeder der 5 dänischen Regionen werden alle medizinischen und patientenbezogenen Daten in einem eigenen business intelligence center verwaltet. Informationen, die aus diesen Aufzeichnungen erhoben werden können, geben dem Gesundheitssystem die Möglichkeit, alle Veränderungs- und Verbesserungsprozesse zu verfolgen und die Ergebnisse zu bewerten.

Es war sehr beeindruckend in den besichtigten Krankenhäusern zu sehen, wie man sich diese Zahlen für die Lenkung von QM-Projekten zu Nutze macht. Jedes dieser Projekte beginnt mit der Definition und Erhebung von Kennzahlen, die in Folge die Entwicklung des Qualitätslevels sichtbar machen. Um ein Beispiel zu nennen:

Durch das breite Angebot an Kennzahlen, ist es möglich der Verkürzung der Aufenthaltszeiten (z.B. nach einer Geburt) die Anzahl an Komplikationen nach der Entlassung gegenüber zu stellen. Eine Mutter, die bereits zuvor ein Kind zur Welt gebracht hat, kann unter komplikationsfreien Umständen die Klinik nach 2 bis 4 Stunden nach der Geburt verlassen. Es gelingt mit dem dänischen System die Liegezeiten in Relation zu Österreich sehr gering zu halten. Diese starke Verkürzung der Aufenthaltsdauer ohne Qualitätsverlust ist jedoch nur durch ein starkes extramurales Versorgungssystem gewährleistet.

Die Betreuung der PatientInnen außerhalb des Krankenhauses wird zu einem großen Teil durch die Diplomierten Gesundheits- und KrankenpflegerInnen, kurz DGKP, übernommen. Die DGKP hat dafür zusätzlich zu ihrer Ausbildung noch eine fachspezifische Zusatzqualifikation und ist damit für die Nachsorge und auch als erste Ansprechperson bei medizinischen Problemen qualifiziert. Da die PatientInnen bereits im Krankenhaus erfahren, welche DGKP sie  nach der Entlassung betreuen wird und worauf sie  zu achten haben, hatte ich in persönlichen Gesprächen mit PatientInnen das Gefühl, dass sie sich mit ihrer „frühen“ Entlassung nicht überfordert fühlen. Für die DGKP ist das ein sehr eigenverantwortliches und auch befriedigendes Arbeiten. Mit dem Wissen, dass bei allen Unklarheiten oder Komplikationen sofort ein/e Ärztin/Arzt Hilfestellung gibt. Das dänische Gesetz ermöglich darüber hinaus, dass die DGKP mit Zusatzqualifikation an den Kliniken medizinische Handlungen setzen darf, die in Österreich ÄrztInnen durchführen dürfen. Durch diese „neuen“ Aufgaben der DGKP hat sich zwischen den DGKP und den ÄrztInnen eine starke interdisziplinäre Zusammenarbeit entwickelt. Eine DGKP führt zum Beispiel eine Endoskopie durch und zieht im Falle eines nicht-negativen Befundes die/den Ärztin/Arzt bei. Das war für mich anfänglich sehr überraschend. Im Zuge des Austauschprogramms kam ich aber zu dem Schluss, dass die DGKP durch ihre Spezialausbildung dazu qualifiziert ist.

Diese intensivierte interdisziplinäre Zusammenarbeit von DGKP und ÄrztInnen hat aus meiner Sicht nur positive Auswirkung auf die Ergebnisqualität, die MitarbeiterInnenzufriedenheit, das Ressourcenmanagement und damit auch auf die Ausgaben in einem Gesundheitssystem. Ein sich in Europa immer stärker manifestierender ÄrztInnenmangel kann so aus meiner Sicht bis zu einem gewissen Grad sicher besser abgefedert werden.“

Mag.a Gabriele Koch, Qualitäts- und Risikomanagerin

Copyright: Mag. Gabriele Koch
Gruppe des Austauschprogramms in Dänemark Copyright: Mag. Gabriele Koch