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VPKA-Kongress 2018: Johannes Ambros über seine Vision des Krankenhauses der Zukunft und die Rolle der IT


5. September 2018

Am 09. und 10. Oktober 2018 geht der VPKA-Kongress im Falkensteiner Hotel in Schladming in die zweite Runde! Unter dem Thema „Krankenhaus der Zukunft“ wagen wir einen kritischen wie innovationsfreudigen Blick nach vorn. Ausgewählte ExpertInnen werden unseren Mitgliedern im Rahmen ihrer Vorträge nicht nur hochwertigen Input bieten, sondern im exklusiven Round Table-Gespräch auch den Wissensaustausch untereinander fördern.

Mag. Johannes Ambros, Geschäftsführer der Humanomed IT Solutions Gmbh hat eine klare Vorstellung zum Krankenhaus der Zukunft:  „Wir sehen ganz klar die menschliche Interaktion zwischen ÄrztInnen/Pflege und PatientInnen auch in der Zukunft als den wesentlichen Erfolgsfaktor in der PatientInnenbetreuung.“ Was die IT aber konkret leisten kann, um das menschliche Miteinander zu unterstützen, erklärt er im folgenden Interview.

Haben Sie eine Vision vom Krankenhaus der Zukunft und wenn ja, wie sieht diese aus?

Die Zukunft im Gesundheitswesen wird sicherlich getrieben durch die rasante Entwicklung im Bereich der Medizintechnik, durch die inzwischen vorhandene Möglichkeit, Datenmengen unfassbaren Ausmaßes zu sammeln und zu analysieren, aber auch durch einen Wandel der Patientin/des Patienten in Richtung eines digitalen Gesundheitskonsumenten.

Zum einen sehen wir vor allem den Bereich „Wissensmanagement“ als wesentlichen zukünftigen Treiber: Den Medizinern werden durch Datenvernetzung Informationen zur Verfügung stehen, die es ihr/ihm erlauben, die Befundung und Therapie zu verbessern. Selbstlernende IT-Systeme und Algorithmen werden die Ärztin/den Arzt hier unterstützen können. Hier wird es Aufgabe von IT Unternehmen sein, die Vielfalt an Informationen den AnwenderInnen in „lesbarer“ Form zur Verfügung zu stellen.

Auch die Kommunikations- und Behandlungswege zwischen Ärztin/Arzt und PatientInnen werden sich verändern: Medizin wird zur ortsungebundenen Dienstleistung. Telemedizin wird zum Alltag. Die Betreuung der PatientInnen nach einem Klinik- oder Rehabilitationsaufenthalt außerhalb der Einrichtung wird Teil der Leistung. Diese Entwicklung muss jedoch von entsprechenden Regelungen der Versicherungsträger und des Gesetzgebers begleitet werden.

Wir sehen hier die privaten Krankenhausbetreiber als mögliche Vorreiter in der Verbesserung der Dienstleistung für Ihre PatientInnen, aber auch für ihre MitarbeiterInnen: Über PatientInnenportale werden Informationen transparent zur Verfügung gestellt, die Patientin/der Patient wird vor Aufenthalt „abgeholt“ und nach dem Aufenthalt weiterbetreut und ihm werden während seines Klinikbesuchs digitale smarte Services angeboten.

Wir sehen aber ganz klar die menschliche Interaktion zwischen ÄrztInnen/Pflege und PatientInnen auch in der Zukunft als den wesentlichen Erfolgsfaktor in der PatientInnenbetreuung. Lösungen der digitalen Welt werden diese Kommunikation verbessern, Entscheidungsfindungen unterstützen, wie auch die PatientInnen- und Anwendersicherheit erhöhen.

Sie möchten mit Ihren IT-Lösungen unter anderem die Kommunikation zwischen Personal und PatientInnen verbessern – für den Laien klingt das erst einmal paradox. Können Sie erklären, wie das gelingen kann?

In vielen Gesundheitsbetrieben ist das Wissen um das Wohl der PatientInnen in der Krankenakte niedergeschrieben. Die Krankenakte mit unterschiedlichen Dokumenten, Befunden und Bildern liegt zumeist am Stationsstützpunkt und ist für denjenigen einsichtig, der Sie in Händen hält. Mit unserer Lösung wird die Information mobil. Alle Informationen rund um den Patienten sind jederzeit und für alle Mitarbeiter, die sich um den Patienten kümmern auf mobilen Endgeräten abrufbar. Damit erhöht sich der Informationsgrad massiv und durch diesen umfangreichen Blick auf die Patientin/den Patienten mit Informationen aus Medizin, Pflege und Verwaltung verbessert sich die Kommunikation mit der Patientin/dem Patienten deutlich.

Der vermehrte Einsatz von IT ist beim Personal auch jetzt noch mit einer Angst vor Stellenabbau belegt. Ist diese Angst begründet?

Unser Ziel ist es, der Mitarbeiterin/dem Mitarbeiter aus Medizin und Verwaltung mehr Zeit zu geben, sich um die PatientInnen zu kümmern. Keine technische Lösung wird die Empathie einer Ärztin/eines Arztes und einer Mitarbeiterin/eines Mitarbeiters in der Pflege im PatientInnenkontakt ersetzen können. Wir alle wissen aber auch, dass – auch durch gesetzliche Änderungen – der Aufwand in der Verwaltung in den letzten Jahren massiv gestiegen ist. Mit unserem System ebody schaffen wir es, Redundanzen in der Erfassung von Daten hintanzuhalten, die Eingabe von Informationen effizient und schlank zu gestalten, wobei die Eingabe direkt am Krankenbett schriftlich oder über Diktat erfolgen kann und die Kommunikation innerhalb der Berufsgruppen und übergreifend verbessert wird. Dadurch schaffen wir mehr Zeit – Zeit die für die Patientin/den Patienten verwendet werden kann.

Was ist bei der Entwicklung der Softwarelösungen zentral? Worauf wird am meisten Wert gelegt?

Die AnwenderInnen der Software und deren Anforderungen stehen im Mittelpunkt unserer Entwicklungen. Wir entwickeln Softwarelösungen für ÄrztInnen, Pflegefachkräfte und MitarbeiterInnen der Verwaltung und wir entwickeln dieser Lösungen gemeinsam mit diesen. Als Tochter der Humanomed stehen wir in laufendem Kontakt mit diesen Berufsgruppen in den Privatkliniken und Rehabilitationseinrichtungen, wir analysieren die Prozesse und gestalten Softwarelösungen, die es erlauben, den Arbeitsalltag bessert zu erledigen. Wesentlichen Fokus legen wir hier auf Usability des Systems, auf eine rasche Erfassung von Daten, auf eine Verbesserung des Überblicks über die Patientin/den Patienten und auf eine Steigerung der Effizienz und Sicherheit.

Wie individuell können die einzelnen Lösungen an die jeweilige Klinik angepasst werden?

Bei der Implementierung unserer Software in den unterschiedlichen Kliniken treffen wir zumeist auf Prozesse, die heute auf einer „Papierdokumentation“ basieren. Der Prozess der Digitalisierung ist keine einfache Einführung einer Softwarelösung. Digitalisierung bedeutet die Anpassung von Prozessen unter Nutzung von neuen, verbesserten Möglichkeiten.

Da Funktionen und Prozesse in vielen Kliniken unterschiedlich gestaltet sind, stellen wir bei Implementierungsprojekten eine Prozessanalyse der Einführung der Software voran. Wir begleiten unsere Kunden bei der Migration und können hier unsere Lösung hinsichtlich der grafischen Darstellung und der Funktionstiefe über die Auswahl bestehender Module wie auch über die rasche Entwicklung von neuen Funktionen individuell anpassen.