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Verband der Privatkrankenanstalten Österreichs

„Nachhaltigere Gesundheitsversorgung schaffen ist Teil unserer Philosophie.“: Interview mit Ulrike Obermayr, Kaufmännische Direktorin kokon Rohrbach-Berg

Seit Juli 2021 ist Ulrike Obermayr die kaufmännische Direktorin bei kokon Rohrbach-Berg. Wichtig ist Ulrike Obermayr in ihrer Funktion, gemeinsam mit ihrem Team in der Verwaltung, dem Küchen- und Restaurantbereich, der Haustechnik/IT und der Reinigung, die bestmöglichen Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Reha-Aufenthalt zu schaffen. Wir trafen Fr. Obermayr auf ein kurzes Interview und fragten Sie über Ihre Erfahrungen mit Nachhaltigkeit in ihrer Einrichtung. 

Wofür steht Ihre Einrichtung kokon?

Wir im kokon sind Expert:innen für Kinder- und Jugend-Reha. Nachhaltigkeit ist hier auch Teil des Behandlungskonzepts: Im Unterschied zur Akut-Medizin hat die Reha einen sehr langfristigen Ansatz. Hier lernen unsere jungen Patient:innen, ein möglichst freies und selbstbestimmtes Leben zu führen  – trotz ihrer Erkrankung. Nachhaltigere Gesundheitsversorgung schaffen ist Teil unserer Philosophie. Unser Standort in Rohrbach-Berg erfüllt seit September 2019 einen wichtigen Beitrag bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates, des Herz-Kreislauf-Systems, der Atemwege und bei Mental Health-Indikationen sowie neurologischen Erkrankungen. Konkrete Kompetenz-Schwerpunkte sind Skoliose, Essstörungen, Frühgeburten, Neurodermitis, Long-Covid und Cochlea-Implantat. Während ihrer 3–5-wöchigen Reha sind sie stationär bei uns und profitieren von einer sehr umfassenden medizinischen, pflegerischen und psychosozialen Behandlung.

Auf welche nachhaltigen Ansätze oder Projekte in Ihrer Reha sind Sie besonders stolz?

Eins vorneweg: Wir haben unsere Reha-Klinik im September 2019 eröffnet. Damit sind wir in der glücklichen Lage, in vielen Punkten wie etwa Wärme-Dämmung, Lichtsteuerung, LED-Beleuchtung schon auf dem neuesten Stand zu sein.  Aber auch wir haben noch einiges vor. Ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit: Wir gehörten im November 2023 zu den ersten, die an die neue Nahwärme-Versorgung in Rohrbach-Berg angeschlossen wurden. So konnten wir aus der Erdgas-Versorgung aussteigen. Das war ein wichtiger Meilenstein, auf den ich sehr stolz bin! Ein weiteres großes Projekt betrifft die Lebensmittel-Versorgung: Hier sind uns Regionalität und Bio-Qualität wichtig. Unser Bio-Speise-Eis kommt genauso aus dem Bezirk, wie die Bio-Milch und Brot und Gebäck. Aber auch der nachhaltige Umgang mit Lebensmitteln ist wichtig: Im letzten Jahr haben wir ein neues Bestell-System für die Mitarbeiter:innen-Verpflegung eingeführt. Durch dieses können wir nun noch genauer planen und vermeiden Abfälle.

Wie wird das Bewusstsein für Nachhaltigkeit unter den Mitarbeitenden und unter den kleinen Patient:innen gefördert?

In den kokon- und Klinikum Austria Kliniken, die unsere Partner-Kliniken für Erwachsenen-Reha sind, haben wir seit längerer Zeit ausgewählte Mitarbeiter:innen zu Nachhaltigkeitsexpert:innen ausgebildet. Ihre Aufgabe ist es, dieses Thema im Rahmen einer Multiplikator:innen-Rolle in der Klinik voranzutreiben und auch bei ihren Kolleg:innen das Feuer für Nachhaltigkeit zu entfachen. Diesen Unternehmensansatz thematisieren wir schon beim Onboarding-Prozess: So gelingt es, dass Nachhaltigkeit, wenn möglich schon von Beginn an, gelebt wird. Denn: Nicht nur bei den Kolleg:innen sondern auch den Patient:innen und Angehörigen gegenüber haben unsere Mitarbeiter:innen eine wichtige Vorbildfunktion. Bei verschiedenen Aktionen in unserer Klinik können alle mitmachen: Müll-Trennung, Reparieren statt Wegschmeißen, Einkaufen in der Region… – Je nach Berufsgruppe versuchen wir, altersgerechte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in den täglichen Reha-Alltag einzubauen. Für dieses Jahr planen wir auch noch eine Nachhaltigkeitsecke, die sich speziell diesem Thema widmet.

Welche Nachhaltigkeits-Trends oder –Entwicklungen erwarten Sie für die Zukunft, die besonders auf Rehas zutreffen könnten?

Klar ist: Das Thema Nachhaltigkeit wird tendenziell immer stärker werden. Wir beschäftigen uns laufend damit, wie wir weitere Bereiche nachhaltiger gestalten können. Besonders spannend finde ich persönlich die Themen Soziale Gerechtigkeit und Künstliche Intelligenz – auch in Wechselwirkung zueinander. Wie können wir inklusive Arbeitsumgebungen fördern und zum Beispiel Menschen mit Behinderungen gut integrieren? Wie können wir durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz Arbeitsabläufe und Mitarbeiter:innen unterstützen? Bei uns in der Reha betrifft das zum Beispiel den Voraufnahme-Prozess, verschiedene Diagnose-Verfahren und personalisierte Therapie-Einsätze. Damit tragen wir auch den schwindenden Ressourcen im Fachkräfte-Bereich Rechnung. Nicht zuletzt ist aber die verstärkte Aufmerksamkeit nicht nur dem gesteigerten Umweltbewusstsein geschuldet. Die Gesetzeslage ändert sich, es gibt strengere Umweltauflagen. Das erfordert zwar auf der einen Seite einer höheren Compliance von allen Beteiligten, aber gleichzeitig profitieren wir von einem Domino-Effekt von Nachhaltigkeitsverbesserungen in allen Branchen.

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Ulrike Obermayr, Fotocredit: @kokon