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VPKA-Kongress 2019: Wolf Dieter Enkelmann, brauchen Manager mehr Philosophie?


7. Oktober 2019

Am 08. und 09. Oktober 2019 ist es wieder soweit! Der 3. VPKA-Kongress lädt seine Mitglieder in alter Tradition ins Falkensteiner Hotel in Schladming. Unter dem Thema „Philosophie der Privatmedizin – privat vs. öffentlich“ steht in diesem Jahr die systemische Selbstreflexion im Vordergrund:

Dr. Wolf Dieter Enkelmann ist Philosoph und befasst sich als Direktor des von ihm gegründeten Instituts für Wirtschaftsgestaltung in Berlin mit der Praxis der Wirtschaftsphilosophie. Warum Unternehmer davon profitieren, sich Rat bei einem Philosophen zu holen und warum der Spaß am Denken nie abhanden kommen sollte, verrät Enkelmann im Interview.

Das von Ihnen gegründete Institut für Wirtschaftsgestaltung befasst sich mit der Praxis der Wirtschaftsphilosophie: Wie kann man sich das konkret vorstellen? Welchen Service leisten Sie für Unternehmen und Unternehmer?

Primär sind wir ein Forschungsinstitut für philosophische Ökonomik. Aber wir theoretisieren nicht nur rum, sondern bringen unser Wissen und Können auch direkt in die wirtschaftliche Praxis ein. Das hilft uns auch in der Forschung. Das Spektrum der Einsätze reicht von der Entwicklung verständlicher und fundierter Wordings für schwierige Change-Prozesse über Konzeption von Change-Projekten sowie von Führungs- Unternehmenskulturentwicklungen bis zu konkreten Managementberatungen und Personal Coachings.

Wie offen sind Mitglieder der Führungsebene von Unternehmen erfahrungsgemäß für philosophisch fundierte Beratung?

Immer mehr. Es gibt manchmal eine gewissen Scheu, aber auch Lust, sich mit dem Philosophen zu messen. Vor allem aber ist man neugierig auf den fremden Blick und die Chance, die vertrauten Dinge auch selbst einmal mit ganz anderen Augen und Fragen zu sehen. Sie kennen das Problem der Pfadabhängigkeit im Binnenraum ihres Geschäfts und der Blickverengung durch die Konventionen ihres Berufsstandes und Umfelds.

Was kann die philosophische Beratung im Gegensatz zu anderen Beratungsformen, z.B. einem psychologisch gefußten Coaching, bieten?

Wir denken anders, vor allem das Denken selbst, Wir verstehen uns nicht nur auf Kausallogik und Zweckrationalität und können ja nach Problemlage und Aufgabenstellung mit ganz unterschiedlichen Denktypen auf die Herausforderungen reagieren. Das spielt dem Management neue Tools in die Hände und eröffnet gelegentlich völlig neue Handlungsoptionen und  Entwicklungsperspektiven.

An welche Grenzen stoßen Unternehmer, die durch philosophische Betrachtungsweisen gelöst werden können?

Am Widerspruch zwischen Freiheit und Notwendigkeit oder Bestandssicherung und Veränderung sowie widerstreitenden Interessen der diversen Stakholder-Gruppen und dergleichen mehr, besonders aber auch an das, was wir ‚Déformation professionelle‘

Der Spaß am Denken – inwiefern ist genau dieser im Prototyp des Ihnen unterkommenden Unternehmers vorhanden und warum ist er dringend notwendig?

Führungskräfte bringen meistens ein hohes Maß an Leidenschaft für Ihren Beruf auf. Das macht sie stark. Nur die Lust am Denken gehört häufig nicht dazu. Denken ist notwendig und nützlich, aber irgendwie auch mühselig und anstrengend. Man hat es nicht anders gelernt. Doch das ist schlecht. Freie Köpfe braucht das Land, auch ihres und jedes Unternehmen. Geistige Freiheit braucht Nahrung, und die findet sie nur in der Lust auf Denken. Und dazu muss man wissen, wie das geht und welches Glück im Denken liegt.