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VPKA-Kongress 2018: Dr. Markus Vogel über die Vorteile digitaler Spracherkennung im Krankenhaus der Zukunft


10. September 2018

Am 09. und 10. Oktober 2018 geht der VPKA-Kongress im Falkensteiner Hotel in Schladming in die zweite Runde! Unter dem Thema „Krankenhaus der Zukunft“wagen wir einen kritischen wie innovationsfreudigen Blick nach vorn. Ausgewählte ExpertInnen werden unseren Mitgliedern im Rahmen ihrer Vorträge nicht nur hochwertigen Input bieten, sondern im exklusiven Round Table-Gespräch auch den Wissensaustausch untereinander fördern.

Dr. Markus Vogel ist Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Krankenhaus Neuwerk „Maria von den Aposteln“ der St. Augustinus Gruppe. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit der digitalen Transformation des Gesundheitswesens. Als Chief Medical Information Officer des US-Unternehmens Nuance Communications hat er die Entwicklung von aktuellen und zukünftigen Spracherkennungssystemen für den medizinischen Sektor mitgeprägt. Über deren Implementierung, Vorteile und die Überwindung der Skepsis von Seiten des Personals spricht er in diesem Interview.

„Wandel zwischen Akzeptanz und Fortschritt“ heißt es in Ihrem Vortragstitel. Ist die Akzeptanz neuer Technologien im Klinikalltag problematisch und wer zählt zu den Skeptikern?

Die Akzeptanz neuer Technologien ist grundsätzlich als Change-Management Prozess zu sehen. Dies gilt insbesondere dann, wenn etablierte Prozesse abgelöst werden und der individuelle Nutzen der Veränderung nur indirekt spürbar ist. In diesen Fällen zählt das Personal am Krankenbett oft zu den Skeptikern. Doch auch in diesem Fall sind gerade die Veränderungen von hoher Akzeptanz begleitet, die einen PatientInnennutzen bedeuten. Ein objektivierbarer Vorteil für das Personal und für die Patientin/den Patienten wird Akzeptanz und Fortschritt erleichtern.

Was sind Ihrer Erfahrung weitere große Hürden bei der Implementierung der digitalen Spracherkennung auf Seiten der Klinikbetreiber und dann wiederum beim anwendenden Personal selbst?

Digitale Spracherkennung stellt aus Sicht der Klinikbetreiber insbesondere dann einen Mehrwert dar, wenn die Transaktionskosten berücksichtigt werden, die durch fehlende oder nur zeitversetzt verfügbare Dokumentation entstehen. Im Rahmen der fortschreitenden Digitalisierung sind zudem „alle Sinne“ des Menschen anzusprechen, um möglichst natürlich mit der Maschine zu interagieren. Hier ist Sprache neben etwa Handschrifterkennung eine wichtige Modalität. Das Personal wird die jeweils geeignete Modalität in der Interaktion mit der Maschine wählen. Aus meiner Sicht entscheidend ist, im Krankenhaus das Paradigma von Maus und Tastatur hinter sich zu lassen und durch Touchscreen und Stimme am Point of Care zu ergänzen.

Ein großes Thema ist bei neuen Anwendungen auch immer die Datensicherheit. Diese betrifft beide Seiten: PatientInnen wie KlinikbetreiberInnen. Können Sie diesbezüglich Entwarnung geben?

Datensicherheit betrifft 2 große Bereiche: Zum einen die sichere Übermittlung der Daten, zum anderen die sichere und legitime Speicherung von Daten. Insbesondere im professionellen Bereich ambulant oder stationär erhobene Gesundheitsdaten sind schutzbedürftig. Sowohl in der Übermittlung, als auch in der Speicherung sind Technologien verfügbar, die die Datensicherheit vollständig gewährleisten. Das gilt auch und insbesondere für medizinische Spracherkennung.

Und was sind die zentralen Vorteile, die dadurch entstehen? Welche Prozesse können durch die Optimierung der Dokumentation ebenfalls optimiert werden?

Die klassischen Vorteile, die durch elektronische Dokumentation entstehen, sind Lesbarkeit und Verfügbarkeit. Spracherkennung ergänzt hier Geschwindigkeit, Interoperabilität und im wahrsten Sinne des Wortes Potenzial. Denn wenn eine funktionierende Erkennungstechnologie in der Organisation etabliert ist werden nachfolgende Prozesse unter Umständen erst möglich. Hierzu zählen Gewähren von Datensicherheit, der Einsatz von Kommandos, um Maschinen zu steuern sowie die breite Verfügbarkeit von digitalen medizinischen Assistenten. Die Dokumentation stellt zwar eine zentrale Anwendung der Technologie dar, wird aber in Zukunft nur ein weiterer Bestandteil der Interaktion von Mensch und Maschine sein.

Nun ist die digitale Spracherkennung kein ganz neues Produkt auf dem Markt: Was können die neuesten Anwendungen, wo es zuvor noch haperte?

Ich möchte Sie da etwas korrigieren. Zwar sind die theoretischen und technischen Grundlagen für Spracherkennung schon länger bekannt. Doch führt die Kenntnis der theoretischen und technischen Grundlagen nicht automatisch zu einer am Markt funktionierenden Lösung. Vor allem die mangelnde Plastizität der Systeme hat in der Vergangenheit zu Irritationen bei den Anwendern geführt. Aktuelle Systeme können durch rechenintensive Algorithmen und durch ihre extrem hohe Bedienerfreundlichkeit zu einer höheren Markdurchdringung führen. Es sind keine Vorbereitungen notwendig, um diese Technologie sofort zu nutzen. Individuellen Anpassungen sind einfacher als früher durchzuführen, nahezu intuitiv und ermöglichen nahezu Perfektion. Dies ist die Basis für den Aufbau Dialog-basierter Systeme auf einem professionellen Niveau.