Von Hörrehabilitation nach Cochlea-Implantation bis hin zu digitalen Therapie- und Planungsprozessen: Die Privatklinik Laßnitzhöhe entwickelt innovative Angebote, die moderne Technologien mit persönlicher Betreuung verbinden. Prim. Dr. Döhrn gibt Einblicke in aktuelle Projekte und erklärt, wie Innovationen einen echten Mehrwert für Patienten schaffen können.
Frau Prim. Dr. Döhrn, was verstehen Sie persönlich unter „neuen Wegen in der Medizin“?
Neue Wege in der Medizin entstehen für mich nicht allein durch neue Technologien oder einzelne innovative Therapien. Entscheidend ist vielmehr, wie wir medizinisches Wissen, therapeutische Expertise und moderne Werkzeuge so miteinander verbinden, dass Patienten bestmöglich davon profitieren.
Gerade in der Rehabilitation erleben wir derzeit spannende Entwicklungen. Künstliche Intelligenz, Robotik, virtuelle Realität oder digitale Monitoring-Systeme eröffnen neue Möglichkeiten, Therapien noch gezielter zu planen, Fortschritte besser zu erfassen und Behandlungen individueller auszurichten.
Gleichzeitig wächst unser Wissen darüber, wie unterschiedlich Menschen auf Erkrankungen und Therapien reagieren. Deshalb wird die Medizin nicht standardisierter, sondern zunehmend individueller. Neue Technologien helfen uns dabei, dieser Individualität besser gerecht zu werden.
Was bedeutet dieser Ansatz konkret für die Privatklinik Laßnitzhöhe und die SANLAS?
Die Privatklinik Laßnitzhöhe ist Teil der SANLAS und kann ihre langjährige Erfahrung in einem breiten Netzwerk spezialisierter Gesundheitseinrichtungen einbringen. Der fachliche Austausch innerhalb dieses Verbundes schafft wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung medizinischer und therapeutischer Angebote.
Gleichzeitig verfügen wir über besondere Möglichkeiten, weil wir nicht ausschließlich rehabilitative Leistungen anbieten. Wir behandeln auch akutmedizinische und noch nicht rehabilitationsfähige Patientinnen und Patienten und können dadurch Behandlungspfade flexibler gestalten.
In den vergangenen Jahren sind auf dieser Grundlage verschiedene spezialisierte Angebote entstanden – beispielsweise in der Schmerztherapie, in der neurologischen Rehabilitation bei ME/CFS und Long COVID oder in der Hörrehabilitation nach Cochlea-Implantation.
Gemeinsam ist diesen Entwicklungen, dass sie aus konkreten Bedürfnissen von Patienten entstanden sind. Unsere Aufgabe besteht darin, neue medizinische Erkenntnisse, therapeutische Erfahrungen und organisatorische Möglichkeiten so zusammenzuführen, dass daraus praktikable und wirksame Angebote für die Versorgung entstehen.
Gibt es ein aktuelles Projekt, das diesen Ansatz besonders gut veranschaulicht?
Ein sehr gutes Beispiel ist die Entwicklung der Hörrehabilitation für Cochlea-Implantat-Trägerinnen und -Träger im Rahmen der neurologischen Rehabilitation.
Mit der Aufnahme dieser Leistung in den Rehabilitationsplan 2025 wurde eine wichtige Grundlage geschaffen, um betroffene Menschen auch in Österreich begleiten zu können. Gemeinsam mit unseren Partnern haben wir in den vergangenen Jahren ein spezialisiertes Angebot aufgebaut, das medizinische Betreuung, intensive logopädische Therapie, Musiktherapie sowie psychologische und rehabilitative Begleitung miteinander verbindet.
Seit Juni 2026 können wir die Aufnahmen so koordinieren, dass mehrere CI-Patienten zeitgleich rehabilitiert werden. Dadurch entstehen zusätzliche Möglichkeiten für Kleingruppentherapien, die die Einzeltherapien sinnvoll ergänzen.
Für mich zeigt dieses Projekt sehr gut, wie neue Versorgungsangebote entstehen können, wenn unterschiedliche Berufsgruppen ihre Erfahrungen und ihr Wissen einbringen und gemeinsam weiterentwickeln.
Welche Rolle spielen Digitalisierung und neue IT-Lösungen dabei?
Digitalisierung ist für uns in erster Linie ein Werkzeug, um Qualität, Transparenz und Effizienz zu verbessern.
An der Privatklinik Laßnitzhöhe arbeiten wir seit mehreren Jahren mit einer elektronischen Fieberkurve. Befunde werden digital übermittelt, dokumentiert und bearbeitet. Das erleichtert die Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen und schafft mehr Übersichtlichkeit.
Besonders wichtig sind digitale Lösungen auch in der Therapieplanung. Die Koordination der unterschiedlichen medizinischen, pflegerischen und therapeutischen Leistungen für mehrere hundert Patientinnen und Patienten gleichzeitig wäre ohne entsprechende IT-Systeme kaum möglich.
Darüber hinaus beschäftigen wir uns intensiv mit zukünftigen Einsatzmöglichkeiten von künstlicher Intelligenz, beispielsweise in der Bettenplanung. Perspektivisch sehen wir auch Potenzial bei der Unterstützung komplexer Therapie- und Organisationsprozesse.
Wie gelingt es, bei all diesen Innovationen den Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren?
In der SANLAS steht der Mensch im Mittelpunkt. Technologie und Digitalisierung sollen unsere Arbeit unterstützen, nicht bestimmen.
Die Therapieziele werden in der Privatklinik Laßnitzhöhe gemeinsam mit den Patienten definiert. Auf dieser Grundlage entsteht ein individueller Therapieplan, der laufend angepasst wird. Viele Menschen benötigen dabei weit mehr als einzelne medizinische Maßnahmen. Sie brauchen Orientierung, Motivation, Unterstützung und persönliche Begleitung.
Technologien können uns helfen, bessere Entscheidungen zu treffen, Therapien zu unterstützen oder Abläufe effizienter zu gestalten. Sie können aber weder Empathie noch menschliche Zuwendung ersetzen.
Das modernste Robotik-System oder die beste KI-Lösung entfalten ihren Nutzen erst dann, wenn sie von engagierten Fachkräften sinnvoll eingesetzt werden.
Welche Botschaft möchten Sie Kollegen im Gesundheitswesen mitgeben?
Wir sollten Innovationen mit Offenheit und Neugier begegnen, ohne dabei jedem Trend unkritisch zu folgen.
Entscheidend ist nicht die Technologie selbst, sondern die Frage, welchen konkreten Nutzen sie für Patienten und Mitarbeitende bringt. Innovation muss sich im Alltag bewähren.
Ich bin überzeugt, dass insbesondere künstliche Intelligenz und Large Language Models unseren klinischen Alltag in den kommenden Jahren spürbar verändern werden. Sie haben das Potenzial, Dokumentationsaufwand zu reduzieren und Prozesse zu vereinfachen. Die dadurch freiwerdenden Ressourcen sollten jedoch nicht dem System, sondern wieder den Menschen zugutekommen.
Denn bei aller technischen Entwicklung bleibt eine Erkenntnis unverändert: Gute Medizin entsteht dort, wo fachliche Kompetenz, Innovation und Menschlichkeit zusammenkommen.