Mag. Werner Fischl ist seit mehr als 25 Jahren bei Mavie Med (vormals PremiQaMed Group) tätig, davon seit 2012 als Geschäftsführer der Mavie Med Privatkliniken GmbH. Neben der operativen Geschäftsführung der Privatklinik Wehrle – Diakonissen in Salzburg und der Privatklinik Graz Ragnitz leitet er den zentralen Bereich Medizin, Qualität und Government Relations der Mavie Med. Darüber hinaus ist er als Branchenvertreter als Vizepräsident des Verbands der Privatkrankenanstalten Österreichs und Leiter des Fachausschusses Legistik im Fachverband der Gesundheitsbetriebe der Wirtschaftskammer Österreichs tätig.
Herr Fischl ist Teil vom ersten Tag unseres Futuretalks, unserer exklusiven jährlichen Veranstaltung für Mitglieder, die heuer Anfang Oktober in Tirol stattfindet.
Unten finden Sie ein Kurzinterview mit ihm.
F: Ist das österreichische Gesundheitssystem aus Ihrer Sicht innovationsfähig genug, oder braucht es mehr Reformen?
Das österreichische Gesundheitssystem ist grundsätzlich leistungsfähig, aber in seiner Struktur oft zu träge, um Innovationen schnell und konsequent umzusetzen. Es gibt viele gute Ansätze, doch sie scheitern häufig an Fragmentierung und Fehlsteuerungen aufgrund der Finanzierungssilos. Innovationsfähigkeit bedeutet nicht nur technologische Offenheit, sondern auch organisatorische Flexibilität. Innovation braucht auch Rahmenbedingungen, die Umsetzung ermöglichen.
F: Welche Änderungen in den Rahmenbedingungen würden Sie sich wünschen?
Nach vielen gescheiterten Anläufen zur Umsetzung einer „Finanzierung aus einer Hand“, die wohl ohne Reform der österreichischen Bundesverfassung nicht machbar ist, bin ich bezüglich der ganz großen Würfe skeptisch. Man könnte aber auch niederschwelliger die Grundsätze „Geld folgt Leistung“ und „Gleiches Entgelt für gleiche Leistung“ umsetzen und so die schon angesprochenen Fehlsteuerung reduzieren.
Und statt des häufig zitierten „Gatekeepings“ würde ich mir vielmehr die Rolle eines Lotsen wünschen, der die Menschen besser durch die Strukturen des Gesundheitswesens begleitet. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten leisten dabei Hausärzt:innen, Vertreter:innen mobiler Pflegedienste und andere Berufsgruppen Großes und gehen oft auch die Extrameile. Bei diesem Thema sehe ich in Ergänzung zu den Services von 1450 großes Potential für digitale Lösungen mit KI-Unterstützung und würde mir wünschen, dass bundesweit einheitliche Lösungen entwickelt werden.
F: Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Gesundheitsanbietern für echte Innovation?
Die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Anbietern ist ein zentraler Erfolgsfaktor für echte Innovation im Gesundheitswesen. Beide Seiten bringen unterschiedliche Stärken ein: Der öffentliche Bereich sorgt für flächendeckende Versorgung, während private Anbieter schneller in der Umsetzung und stärker prozessorientiert sind. Wie erfolgreich solche Kooperationen sein können, zeigt die Zusammenarbeit zwischen dem Wiener Gesundheitsverbund (WIGEV) und den Mavie Med Gesundheitseinrichtungen. So werden im Rahmen einer Kooperation planbare Operationen in Privatkliniken durchgeführt, um zusätzliche OP-Kapazitäten zu schaffen und Wartezeiten für Patient:innen zu verkürzen. Bereits während der COVID-Pandemie hat sich dieses Modell bewährt und wird nun bedarfsorientiert weitergeführt. Solche Partnerschaften verdeutlichen, dass Innovation nicht nur durch neue Technologien entsteht, sondern auch durch neue Formen der Zusammenarbeit. Wenn öffentliche und private Anbieter ihre jeweiligen Stärken bündeln, können Versorgungskapazitäten effizienter genutzt und Prozesse optimiert werden.