Wie gelingt Digitalisierung, die den Arbeitsalltag tatsächlich erleichtert und gleichzeitig die Patientensicherheit erhöht? Im Interview spricht Carina Heigl, Leitung Projekt & Qualität der Privatklinik Kettenbrücke, über die Digitalisierung der Anästhesie- und Intensivabteilung, die Bedeutung einer durchgängigen digitalen Patientenakte und warum die Einbindung der Mitarbeitenden ein entscheidender Erfolgsfaktor ist.
Die Digitalisierung der Anästhesie- und Intensivabteilung ist ein wichtiger Meilenstein. Was war der Auslöser für dieses Projekt?
Mit der Einführung unseres Krankenhausinformationssystems (KIS) im August 2023 haben wir bereits einen wesentlichen Schritt in Richtung durchgängiger Digitalisierung gesetzt. Aufgrund der besonderen Anforderungen in der Anästhesie- und Intensivmedizin wurden diese Bereiche damals bewusst ausgenommen und zunächst mit ihren bestehenden Dokumentationslösungen weitergeführt.
Unser Ziel war jedoch von Anfang an eine vollständig digitale Patientenakte. Mit dem geplanten Go-Live im November 2026 schließen wir nun diesen letzten großen Schritt ab. Darauf freue ich mich persönlich besonders, weil wir damit eine durchgängige digitale Patientenakte schaffen und viele Prozesse für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfacher und transparenter werden.
Viele Krankenhäuser in Österreich arbeiten heute bereits digital. Was macht die Umsetzung in der Privatklinik Kettenbrücke besonders?
Digitalisierung alleine ist heute nichts Außergewöhnliches mehr. Entscheidend ist, welchen Nutzen sie im Arbeitsalltag bringt. Unser Ansatz ist es keine zusätzlichen Insellösungen zu schaffen, sondern bestehende Prozesse sinnvoll zu vernetzen. Viele Krankenanstalten in Österreich haben den Bereich der Anästhesie- und Intensivmedizin bereits vor Jahren digitalisiert und müssen bestehende Systeme nun wieder ablösen oder mit Schnittstellenlösungen arbeiten. In dem Fall war es unser Vorteil mal nicht ganz vorne dabei zu sein 😉
Gleichzeitig haben wir die Chance genutzt, Abläufe gemeinsam mit den Anwenderinnen und Anwendern zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Dadurch entsteht nicht nur ein neues System, sondern oft auch eine neue, effizientere Art zu arbeiten.
Ein wesentlicher Vorteil in Ihrer Klinik ist die Integration in das bestehende Krankenhausinformationssystem (KIS). Welche Vorteile bringt das für die tägliche Arbeit der Mitarbeiter:innen?
Der größte Vorteil ist, dass alle relevanten Informationen an einem Ort verfügbar sind. Daten müssen nicht mehrfach erfasst oder zwischen verschiedenen Systemen gesucht und übertragen werden. Das spart Zeit, reduziert potenzielle Fehlerquellen und erleichtert die Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen. Am Ende profitieren davon sowohl unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch unsere Patientinnen und Patienten.
Innovation bedeutet oft auch Veränderung. Wie wurden genau die Mitarbeiter:innen in den Digitalisierungsprozess eingebunden?
Für mich ist das einer der wichtigsten Punkte überhaupt. Die besten Systeme bringen wenig, wenn sie an den Bedürfnissen der Anwenderinnen und Anwender vorbeigehen. Deshalb ist unser Projektteam bewusst interdisziplinär aufgestellt, Ärzte aus Anästhesie- und Intensivmedizin sowie die Pflege waren, ebenso wie IT und Medizintechnik, von Beginn an aktiv eingebunden. Sie bringen ihre Erfahrungen ein, testen Prozesse und helfen dabei, die Lösung praxistauglich zu gestalten. Zusätzlich werden alle Mitarbeitenden frühzeitig und laufend über den aktuellen Projektstatus informiert. Dadurch entsteht Akzeptanz nicht erst beim Go-Live, sondern bereits während des Projekts. Für mich ist das selbstverständlich, weil wir Projekte in der Privatklinik Kettenbrücke grundsätzlich immer so angehen.
Zum Abschluss: Welche digitalen Entwicklungen sehen Sie in den kommenden Jahren im Gesundheitswesen als besonders relevant?
Ich glaube, dass die Vernetzung von Daten und Systemen weiter an Bedeutung gewinnen wird. Gleichzeitig werden KI-gestützte Anwendungen und intelligente Assistenzsysteme zunehmend dabei helfen, Routineaufgaben zu vereinfachen. Die aktuellen Lösungen in der Gesundheitsbranche sind gut, haben aber noch viel Luft nach oben.
Wichtig ist für mich aber, dass bei aller technologischer Entwicklung und Innovation der Mensch nie aus dem Mittelpunkt rückt. Gute Digitalisierung merkt man daran, dass sie den Arbeitsalltag erleichtert, die Patientensicherheit erhöht und uns mehr Zeit für unsere Patientinnen und Patienten gibt, um die es eigentlich geht.