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Verband der Privatkrankenanstalten Österreichs

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“Das Gesundheitswesen von morgen“: Interview mit Katharina Reich, Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz

Dr. Katharina Reich ist studierte Medizinerin und seit Dezember 2020 Sektionschefin für „Öffentliche Gesundheit“, Generaldirektorin für Öffentliche Gesundheit des österreichischen Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, Vorsitzende des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen und Mitglied der österreichischen Bundesgesundheitskommission.

Frau Reich ist Gastspeakerin am ersten Tag unseres Futuretalks, unserer exklusiven jährlichen Veranstaltung für Mitglieder, die heuer Anfang Oktober in Tirol stattfindet.

Unten finden Sie ein Kurzinterview mit ihr.

Frage 1: Welche mutigen Entscheidungen müssen wir im österreichischen Gesundheitswesen in den nächsten fünf Jahren treffen?

Wir müssen „digital vor ambulant vor stationär“ von der Formel zur Finanzierungsrealität machen: Ambulante Versorgung muss sich für Träger wirtschaftlich lohnen, nicht nur zusätzlich zum stationären Bereich existieren. Zweitens braucht die Zielsteuerung-Gesundheit echte Verbindlichkeit – Bund, Länder und Sozialversicherung müssen Kapazitäten wie Herzchirurgie- oder Transplantationsstandorte gemeinsam und verbindlich planen, nicht parallel. Drittens: den niedergelassenen Bereich konsequent ausbauen, Prävention und Betreuungskontinuität belohnen, nicht nur kurative Einzelleistungen. Hierdurch soll mehr Orientierung im System entstehen: klare Versorgungszuständigkeiten, vergleichbare und erreichbare Angebote für Patienten – an Tagesrandzeiten, telemedizinisch, familienfreundlich, chancengerecht.

Frage 2: Wie kann die Gesundheitskompetenz der Österreicherinnen und Österreicher nachhaltig gestärkt werden – und welche Rolle spielen dabei Politik und Bildung?

Gesundheitskompetenz entsteht nicht durch mehr Aufklärung allein, sondern durch verständliche, intuitive und anleitend gestaltete Systeme – bei Terminvergabe, e-Impfpass oder Befundkommunikation. Sie ist jedenfalls ein Querschnittsthema im Schulalltag, verknüpft mit Medienkompetenz im Umgang mit Gesundheitsinformationen und Fehlinformation. Verlässliche, niedrigschwellige Angebote und konsequente Evaluierung führen zu besseren Ergebnissen– idealerweise mit echter Bevölkerungsbeteiligung, damit Maßnahmen an der Lebensrealität ansetzen statt an Verwaltungsannahmen. Wichtig ist zudem die Differenzierung: Ältere, chronisch Kranke oder sozial benachteiligte Gruppen brauchen andere Zugänge als Erwerbstätige.

Frage 3: Welche Kompetenzen werden Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte in den kommenden zehn Jahren benötigen, um den Anforderungen eines modernen Gesundheitssystems gerecht zu werden?

Zentral wird digitale Datenkompetenz – der souveräne Umgang mit strukturierter Dokumentation und KI-gestützten Diagnosetools als Ergänzung, nicht Ersatz klinischer Urteilskraft. Mit wachsender Ambulantisierung wird Koordinationskompetenz über Sektorengrenzen hinweg unverzichtbar – interprofessionelle Teamarbeit statt Silodenken. Kommunikative Kompetenz, komplexe medizinische Sachverhalte gesundheitskompetenzgerecht zu vermitteln, wird zur Kernkompetenz. Angesichts rasch wandelnder Evidenz wird kontinuierliches Lernen zur strukturellen Notwendigkeit. Ebenso ist Qualitätsarbeit – der gesunde Wettbewerb um die „besten Zahlen“ in Versorgung, Ergebnisqualität und Patientensicherheit, gesteuert durch gemeinsam erstellte KPIs und Routinedaten, nicht mehr als add-on zu sehen, sondern selbstverständlicher Bestandteil des täglichen Tuns und Handelns.