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Verband der Privatkrankenanstalten Österreichs

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„Mehr Privat, weniger Staat: Auch im Gesundheitswesen?“: Interview mit Dr. Thomas Czypionka, IHS Health Systems and Health Policy

Dr. Thomas Czypionka, IHS Health Systems and Health Policy, Head of Research Group, ist Leiter der Forschungsgruppe Gesundheitssysteme und Gesundheitspolitik. Er verfügt über Abschlüsse sowohl in Medizin (sub auspiciis praesidentis) als auch in Wirtschaftswissenschaften. Er war zweimal als Senior Research Fellow an der LSE tätig und hat zahlreiche Beiträge in mehreren renommierten Fachzeitschriften zu verschiedenen Bereichen der Gesundheitsökonomie und der öffentlichen Gesundheit veröffentlicht. Er gilt als einer der führenden Gesundheitsökonomen in Österreich und Europa und war daher mehrfach als nationaler Korrespondent für internationale Organisationen wie die WHO und die OECD sowie als politischer Berater im In- und Ausland tätig. Außerdem war er Mitbegründer und erster Präsident der Österreichischen Vereinigung für Gesundheitsökonomie (ATHEA).

Herr Czypionka ist Gastspeaker am ersten Tag unseres Futuretalks, unserer exklusiven jährlichen Veranstaltung für Mitglieder, die heuer Anfang Oktober in Tirol stattfindet.

Unten finden Sie ein Kurzinterview mit ihm.

F: Mehr Privat, weniger Staat – welche Rolle sollte der Staat im Gesundheitssystem von morgen haben?

    Zweifellos ist das Gesundheitswesen kein Markt wie viele andere. Unter anderem ist die Informationsasymmetrie sehr groß und die Anbieter aus Sicherheitsgründen stark reguliert. Gerade in Österreich wird aber der private Sektor zu wenig genutzt und oft als Antipode gesehen. Dadurch wird zu viel reguliert, die Spielräume der Akteure sind klein, Innovation kann sich nicht gut entfalten. Ich verstehe, dass wir keinen Markt wie in den USA wollen. Österreich könnte aber profitieren, wenn mehr Unternehmertum im Sinne der Patientinnen und Patienten eingesetzt wird.   

    F: Welche Reformen braucht es, damit das Gesundheitssystem im Jahr 2036 nachhaltig und innovativ ist (bleibt)?

    Die Reformnotwendigkeit ist bekannt: Mehr integrierte Versorgung, das heißt auch Stärkung der Primärversorgung und Etablierung intermediärer Versorgungsformen. Mehr denken in Versorgungspfaden, es muss klar sein, wo ein Patient in welchem Stadium hingehört. Bessere Nutzung von digitalen Lösungen. Durchforsten des Leitungsangebots: Was ist evidenzbasiert, was ist kosteneffektiv, was aber eben nicht? Letztlich haben wir immer noch sehr viel Ineffizienz im System, die wir uns nicht nur nicht leisten können, sondern die auch für die Qualität der Versorgung schlecht ist, denn dadurch fehlen uns Kapazitäten, um uns um die komplexen Fälle adäquat kümmern zu können. Und letztlich auch bessere Gesundheitsförderung und Prävention. Auch hier lassen wir viel Geld liegen und ziehen die Patienten von morgen heran, die das System auslasten.

    F: Welche internationalen Modelle zeigen aus Ihrer Sicht eine gute Balance zwischen Staat und Privat?

    Die Reformgeschichte vieler Länder zeigt, dass eine richtige Balance erst gefunden werden muss. Gab es bis in die 1990er in der Schweiz noch ein privates Krankenversicherungssystem mit risikoabhängige Prämien, so wurde dieses später  sozialer gestaltet, was mehr Markteingriff bedeutet. Letztlich ist dies auch in abgeschwächter Form in den USA passiert. Umgekehrt hat es in vielen staatlich dominierten Ländern wie England oder den skandinavischen Staaten eine Tendenz zu mehr privater Leistungserbringung gegeben, dadurch mehr Angebotsvielfalt und vielfach mehr Effizienz. Die optimale Balance muss im einzelnen Markt festgemacht werden, weil ja die Wettbewerbsverhältnisse unterschiedlich sind. So können Spitäler in einzelnen Gegenden regionale Monopolisten sein, während Sie in Wien unter fast 200 Internisten wählen können.  Zudem gibt es ja nicht nur zwei Pole Staat oder privat, sondern viele Ausgestaltungsformen.

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    Thomas Czypionka, Fotocredit: Institut für Höhere Studien – Institute for Advanced Studies (IHS)