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VPKA-Kongress: Christian Brenneis über die Entwicklung einer Nachsorge-App für MS-PatientInnen


18. September 2017

Für den 1. Kongress des Verbands der Privatkrankenanstalten wurden exklusiv für unsere Mitglieder ExpertInnen der Branche ausgewählt, um das brisante Thema „E-Health“ von allen Seiten zu beleuchten.

In der folgenden, auf www.privatkrankenanstalten.at erscheinenden Interviewreihe erhalten Sie nicht nur Informationen über die Vorträge, Sie gewinnen so auch einen spannendenden Überblick über neuartige Innovationen, Technologien und Strategien für die Gesundheitsbranche der Zukunft.

Die Nachsorge-App für die Rehabilitation: Wie Effizienz und Langzeiteffekte verbessert werden können

Prim. Univ.-Doz. Dr. Christian Brenneis ist seit der Eröffnung 2011 Ärztlicher Direktor am Reha Zentrum Münster. Hier wurde eine App für PatientInnen, die an Multipler Sklerose erkrankt sind, entwickelt, die sich auf die Zeit nach der stationären Rehabilitation, also die Nachsorge konzentriert. Diese hat zum Ziel, die Wirksamkeit der medizinischen Behandlung nachhaltig zu unterstützen und eine langfristige Verbesserung zu erreichen. Die Pilotstudie zeigte sehr positive Ergebnisse – in einer umfassenden Bestätigungsstudie, die in mehreren Rehabilitationszentren österreichweit stattfindet, sollen diese bestätigt werden.

Herr Dr. Brenneis, warum sollte ein zukunftsgerichtetes Krankenhaus möglichst digitalisiert sein?

Die Digitalisierung bietet einerseits die Basis für eine serviceorientierte Medizin. Andererseits wird die medizinische Versorgung und Therapie zunehmend individualisiert erfolgen, also den Bedürfnissen der PatientInnen entsprechen. Dazu ist der Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Gesundheitsanbieter notwendig. Aus diesem Grund sind Digitalisierung und neue Technologien ein Muss für die moderne Krankenanstalt.

Gibt es Voraussetzungen, die für eine umfassende Digitalisierung gewährleistet sein müssen?

Die wichtigsten Voraussetzungen für eine optimale Digitalisierung sind meines Erachtens die entsprechenden Software-Lösungen und Technologien für den PatientInnen-bezogenen Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Gesundheitsanbietern.

Weiters sehe ich innovative Technologien für die Diagnose, Therapie und den Langzeiteffekt als besonders wertvoll.

Können Sie die Reha-App, die Sie entwickelt haben, kurz näher beschreiben?

Ziel war, eine möglichst hohe Effizienz und Langzeiteffektivität der stationären Reha zu erreichen. Darüber hinaus sollte auch die Motivation der PatientInnen für das Heimübungsprogramm gesteigert werden. Da Menschen mit Multipler Sklerose meist jung sind, ist die Idee einer App für diese PatientInnengruppe entstanden. Es wurden ca. 80 Videos mit Übungen dazu gedreht, die ein abwechslungsreiches Programm ermöglichen. Falls das tägliche Übungsprogramm nicht eingehalten wird, bekommen die PatientInnen ein Erinnerungsmail, eine positive Rückmeldung bei häufiger Verwendung.

Was ist die größte Herausforderung, wenn es um die Digitalisierung der Gesundheitsbranche geht?

Da sind mehrere zu nennen, die unterschiedlicher Natur sind. Zum einen ist dies der Datenschutz, der gleichzeitig eine Voraussetzung für jedwede Art der digitalen Lösung darstellt. Weiters die Ausfallssicherheit der jeweiligen Lösung. Und natürlich die Entwicklung von EDV-Lösungen, die dem tatsächlichen Bedarf der jeweiligen Krankenanstalt entsprechen.

Christian Brenneis