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SCHWERPUNKT REHA: Psychiatrische Rehabilitation


25. Oktober 2016

Psychische Erkrankungen nehmen zu. Sie sind häufigste Ursache für Erwerbsunfähigkeit und vorzeitige Pensionierung in Österreich. Der Grundsatz „Reha vor Pension“, der in dem 2014 in Kraft getretenen Sozialrecht-Änderungsgesetz verankert wurde, bringt die Relevanz der Rehabilitation bei der Primär- und Sekundär-Prävention deutlich zur Geltung. Doch wie wird das gesellschaftspolitische Umdenken in den Reha-Kliniken umgesetzt? Was für Anforderungen stellt die psychiatrische Rehabilitation an die Klinik und Ihre MitarbeiterInnen?

Mag. Michaela Krenn ist seit 2007 Verwaltungsdirektorin der Privatklinik St. Radegund und seit 2014 Geschäftsführerin der Privatklinik Hollenburg. Diese beiden Reha-Kliniken der Sanlas-Gruppe sind auf die Behandlung von psychisch erkrankten Menschen spezialisiert.

Frau Mag. Krenn, steht bei der Rehabilitation nun die Herstellung der Erwerbstätigkeit im Vordergrund?

Neben dem Auftrag, die Erwerbstätigkeit wiederherzustellen, leistet die psychiatrische Rehabilitation auch einen wesentlichen Beitrag, die Lebensqualität psychisch Kranker zu verbessern.

In der Privatklinik St. Radegund begegnen wir dieser Herausforderung neben dem Basistherapieprogramm mit unterschiedlichen Spezialtherapien, durchgeführt von einem multiprofessionellen Fachteam wie z.B. tiergestützte Therapien, Gartentherapie, Tai-Chi und Yoga, Kunsttherapie, kreatives Schreiben und viele mehr.

Wie darf man sich die Atmosphäre in Ihrem Haus vorstellen? Welche Faktoren haben den größten Einfluss auf eine Genesung?

Die Rahmenbedingungen in einem Krankenhaus sind von zentraler Bedeutung. Vor allem Faktoren wie menschliche Zuwendung, einfühlsame Kommunikation und Qualitätszeit für Arzt-PatientInnen-Gespräche haben entscheidenden positiven Einfluss auf den Genesungsprozess.

Aber ebenso die richtige Umgebung sowie die Hotelkomponente spielen vor allem für psychisch Kranke eine große Rolle. Die landschaftlich reizvolle Umgebung der Klinik inmitten der Bergregion Schöcklland sowie auch der neu gestaltete Therapiegarten wirken sich sehr positiv auf unsere ruhesuchenden PatientInnen aus.

Beim Zubau im Jahr 2015 wurden spezielle Experten im Bereich Lichtgestaltung und Einrichtung hinzugezogen um den „Wohlfühlcharakter“ in der Klinik zu gewährleisten. Dieses Gesamtkonzept wurde natürlich auch in der Neugestaltung sämtlicher Therapie- und Speiseräume übernommen.

Die Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen stellt auch andere Anforderungen an das Personal. Was gibt es für verwaltungstechnische Herausforderungen?

Da der Umgang mit psychisch Kranken auch für nicht medizinische Berufsgruppen (z.B. Rezeption, Service, Reinigung) eine große Herausforderung darstellt, ist es notwendig, diese dahingehend speziell und laufend zu schulen. Von der ersten Kontaktaufnahme der PatientInnen mit unseren MitarbeiterInnen am Telefon bis zur Entlassung ist von unseren Mitarbeitern ein einfühlsamer Umgang mit den individuellen Bedürfnissen der PatientInnen erforderlich. Gerade diese individuellen Bedürfnisse sind bei unseren PatientInnen stark durch die Erkrankung beeinflusst.

Worauf achten Sie bei der Auswahl Ihrer MitarbeiterInnen besonders?

Wir achten sehr genau auf Berufserfahrung im Umgang mit psychisch Kranken und die für diese Art der Tätigkeit notwendige besondere persönliche Eignung.

Um die dafür notwendige Stabilität bei den MitarbeiterInnen zu fördern und zu erhalten, wird sehr großen Wert auf Fortbildung, Supervision und Intervision gelegt. Ebenso ist der teamübergreifende Austausch über die PatientInnen ein wichtiger Anteil der Arbeit. Diese Angebote tragen wesentlich dazu bei, das sehr gute Betriebsklima zu fördern. Regelmäßige Befragungen unserer MitarbeiterInnen zu den besonderen psychischen Belastungen unserer Arbeit zeigen eine große Arbeitszufriedenheit im gesamten multiprofessionellen Team. Wie ebenso eine fast nicht messbare Personalfluktuation, was klar für eine entsprechende Zufriedenheit spricht.

Was ist Ihre Vision für die Rehabilitation für Menschen mit psychischen Erkrankungen in der Zukunft?

Die bisherigen Erfahrungen in der psychiatrischen Rehabilitation sind Basis für die Entwicklung einer weitergehenden Individualisierung der therapeutischen Angebote. Ein besonderes Augenmerk sollte dabei auf eine mögliche Verbindung zwischen medizinischer Rehabilitation und Arbeitsreha gelegt werden.

Die Privatklinik St. Radegund
Einer der Trainingsräume in der Privatklinik St. Radgund